#Recap: InnovationsWerkStadt Essen – Faszinierende Impulse und Raum für persönlichen Austausch

23.04.2026

Mixed Reality im Handwerk, KI-Recruiting und Gig Economy – wie verändern sie unsere Arbeitswelt? Diese Frage stand im Zentrum der InnovationsWerkStadt Essen am 21. April in der Erlebniswerkstatt NRW. Rund 30 Teilnehmende diskutierten im Anschluss an drei Impulsvorträge weiter. Hier gibt es die wichtigsten Inhalte im Überblick.

Reale Räume digital erfassen – Mixed Reality als Gamechanger im Handwerk
Im ersten Vortrag zeigte der Geschäftsführer der neomatt GmbH, Dirk Pessarra, wie Mixed Reality handwerkliche Prozesse grundlegend verändern kann. Mithilfe von MR-Headsets und einem digitalen Eingabestift lassen sich Räume schnell und präzise vermessen: Durch das Setzen von Referenzpunkten entsteht in kurzer Zeit ein maßstabsgetreuer digitaler Grundriss – mit einer Genauigkeit von wenigen Millimetern.

Der praktische Nutzen: Auf dieser Basis können beispielsweise Bodenbeläge bereits im Vorfeld passgenau zugeschnitten werden. Statt aufwendiger Anpassungen vor Ort erhält der Kunde die Materialien nahezu „puzzlefertig“. Das reduziert nicht nur Zeitaufwand und Fehlerquellen, sondern verändert auch die Rolle klassischer handwerklicher Arbeitsschritte. In der Diskussion wurde insbesondere die Frage der Qualitätssicherung aufgegriffen sowie mögliche Auswirkungen auf Berufsbilder und Wertschöpfungsketten im Handwerk.

Datengetriebenes Recruiting als Service
BlackSheep United In Recruitment GmbH bietet Unternehmen einen umfassenden Recruiting Service. Kernelement ist dabei ein datengetriebener Recruiting-Ansatz, der klassische Stellenanzeigen um KI-basierte Steuerung und Automatisierung erweitert. Ziel ist es, potenzielle Kandidat:innen präziser anzusprechen – auch solche, die aktuell nicht aktiv auf Jobsuche sind, erklärte Deniz Ates, Geschäftsführer & Co-Founder von BlackSheep.

Das System ermöglicht unter anderem zielgruppenspezifisches Targeting, die dynamische Ausspielung von Anzeigen je nach Bewerbungsaufkommen sowie eine individualisierte Gestaltung von Kampagneninhalten. Dadurch können Recruitingprozesse effizienter gesteuert und gleichzeitig Reichweite sowie Arbeitgeberwahrnehmung verbessert werden.

In der anschließenden Diskussion stand insbesondere die Frage im Fokus, wie datenbasierte Systeme funktionieren, ohne auf personenbezogene Daten im klassischen Sinne zuzugreifen – und welche Rolle Plattformlogiken und Algorithmen künftig im Recruiting spielen.

Plattformökonomie – Wie funktionieren Online-Arbeitsmärkte?
Prof. Dr. Andrea M. Herrmann von der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften der Universität Duisburg-Essen, widmet sich in ihrer Forschung der Plattformökonomie und der zunehmenden Bedeutung digitaler Arbeitsmärkte. Insbesondere im Bereich hochqualifizierter digitaler Dienstleistungen – etwa in Design oder Programmierung – gewinnen Plattformen als Einkommensquelle weiter an Relevanz.

Zentrale Erkenntnisse: Plattformarbeit bietet einerseits hohe Flexibilität und Autonomie, andererseits führt sie zu einer Erosion klassischer Arbeitsstandards, da Plattformen häufig keine Verantwortung für Arbeitsbedingungen oder Vergütung übernehmen. Auffällig ist zudem, dass der formale Bildungsgrad weniger entscheidend für das Einkommen ist als praktische Erfahrung und Bewertungen innerhalb der Plattformen.

Besonders diskutiert wurden Plattformen im Kontext von beruflicher Selbständigkeit. Einerseits bieten sie einen sanften Einstieg in ein eigenes Business, andererseits werden auch Fälle von Scheinselbstständigkeit beobachtet und nicht zuletzt stellt sich die Frage, ab wann eine Plattformen selbst zum Arbeitgeber wird.

Austausch und Vernetzung im Fokus
Die InnovationsWerkStadt Essen zeigte einmal mehr, wie vielfältig die Auswirkungen technologischer Entwicklungen auf Wirtschaft und Arbeitswelt sind. Die lebhafte Diskussion mit dem Publikum und die persönlichen Gespräche bei Speisen und Getränken – die noch lange über das offizielle Programm hinaus anhielten – unterstrichen das große Interesse der Teilnehmenden und bot Raum für vertiefende Fragen und inhaltlichen Austausch.

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